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Texte

Haar der Berenike

Anmerkungen zu den Bildern 2006 -2007

Ein prächtiger Goldregen in vollem Sonnenlicht, gemalt mit Kadmiumgelb.
Das Licht kommt von einem Stern. Das wunderbare Kadmiumgelb auch,
Sternenstaub, wie wir.
Goldregen ist für den Menschen giftig, Kadmium nicht nur für ihn.
Aber beides ist schön, nur für ihn.

Tiefe, dunkle, unregelmäßig ausgefranste Schattenlöcher, vom Licht abgewandt,
ohne Licht gar nicht da. - Was wäre denn da, gäbe es kein Licht?
Nichts, wie in den milliarden Lichtjahren ausgedehnten „Löchern“ in Weltraum?
Um das im Bild anzudeuten, müßte ich mein tiefstes Schwarz nehmen, ungemischt.

Titanweiße Kreisflächen, zwischen den Blüten und dem völligen Schwarz,
alle Farben enthaltend: Sternbilder, auffällige Lichtpunkte am nächtlichen Himmel.
Sie zeigen Erscheinungen und Zustände, die es nicht mehr gibt,
zu Figuren gedeutet, von Leuten, die es nicht mehr gibt;
früheren Seeleuten bei der Navigation helfend.
Dem Betrachter holen sie die Nacht ins sonnenbeschiene Bild.

Werden die Sterne schwarz, negativ, komplementär, wird das Gelb zum Violett,
Grün wird rot, wie Glut oder Blut. Was passiert beim Betrachter?
Ist das Blau eigentlich orange? Ist das Weiß jetzt das Nichts, kein Licht mehr,
das alles verschlingende schwarze Loch?

Schwarz und Weiß, Nichts und Alles, dazwischen Inseln des Lebens,
Gespinste, Knoten, Nervenbahnen, Kapillare, Synapsen.
Alles am Anfang ungeheuer zusammengepreßt in absoluter Dunkelheit,
jetzt für jeden Einzelnen im Kopf da, mehrfach gefiltert und transponiert.
Wieder transponiert - auf die Leinwand:
Anschauung, von Dingen, die nicht angeschaut werden können.
Fixiert in der Zeit für einen Wimpernschlag.

Bernd Finkeldei November 2007